
wie alles begann ...
wie alles begann ...
Die Ehe

Wo haben wir uns kennengelernt ?
Ich besuchte das BRG 16 am Schuhmeierplatz von 1954 bis 1963.
Eine Klasse unterhalb war Ingrid Brachinger. Die 7. Klasse wurde mir, wie vielen anderen auch, zum Verhängnis. Mathematik und Englisch, ich musste die 7. wiederholen. Zu unserer Zeit wurde im Fremdsprachenunterricht kein einziges Wort gesprochen. Paradoxerweise habe ich dann bei meinem 1-jährigen Kanada-Aufenthalt Englisch automatisch fließend gelernt. Und zum Thema Mathematikunterricht: Ich bin bis heute der Meinung, dass 90% gelernt wird, das man ein ganzes Leben nicht braucht. Und da bin ich mit meiner Meinung nicht alleine.
Also 1. Tag in meiner neuen 7. Klasse. 3 Mädchen in der 1. Reihe unterhalb des erhöhten Katheder. Ich gleich daneben - bei den Mädels bin ich sicher gut aufgehoben. In der 1. Reihe sitzen immer die Strebsamen - in der Letzten die Faulen. Und richtig war es: in der 1. Reihe unterhalb des erhöhten Katheders konnte man einfach viel besser schummeln.
Das Mädchen links neben mir war Ingrid Brachinger. Das schummeln unter ihrem Rock und den Strümpfen sind mir heute noch im Gedächtnis. Außer den gemeinsamen Lernerfolg - wir haben dafür bei den Daste (Darstellende Geometrie, wo ich speziell sehr gut war) -Schularbeiten unsere Reißbretter getauscht, gab es keine Interessen. Sie war zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr mit dem eine Klasse höheren Helmut Pangratz liiert.
Der Umbruch kam am Ende der 7. Klasse. Helmut hat maturiert und beschlossen, weiter zu studieren. Ein fataler Fehler. Ingrid hat sich mit dem Ausspruch "der will keinen Sex und der verdient ja noch etliche Jahre nix*" von ihm getrennt. Jetzt war der Weg für mich frei, meine Ressourcen auszuspielen. In der gesamten 8. Klasse kamen wir uns immer näher. Wir haben dann im Mai 1963 am selben Tag maturiert - mit dem gleichen Notendurchschnitt.
Bis zu dem Tag als sie realisierte, dass ich 2 Wochen nach der Matura mit dem Schiff auf unbestimmte Zeit nach Kanada auswandere. Das Auswanderervisum war aber nur, dass ich drüben arbeiten und Geld verdienen kann. Grad wieder eine Beziehung begonnen, die auf unbestimmte Zeit unterbrochen wird. Kommunikationsabbruch von ihr aus.
Allgemein sind Frauen sehr frustriert, wenn ein Mann Schluss macht. Das können sie überhaupt nicht verkraften.
Nach etwa 4 Monaten der Trennung, als sie realisierte, dass ich in einem Forschungslabor sehr viele can.§ verdiene und auch in der Freizeit einen Nebenjob als Tanzlehrer habe, kam die erste briefliche Antwort. Und es entwickelte sich ein reger Briefwechsel etwa 2x pro Woche - also ein Hin und Her im Zuge des Luftpostverkehrs. Bis zu dem Zeitpunkt Juli 1964, wo wir als Rückwanderer wieder heimgekehrt sind. Abgeholt am Wiener Westbahnhof - sie wollte sogar bis nach Paris entgegenkommen. Davon habe ich aber abgeraten.
Übrigens waren schon vor 60 Jahren die Mieten in Kanada sehr überhöht - mein gesamter Monatslohn im Forschungslabor (can.$ 6.000.- brutto) ist für unsere Miete - der obere Stock eines uralten Gründerhauses mit polnischen Besitzern - aufgegangen. Aber wir haben noch Bargeld als Rückwanderer mitgebracht. 2 Wochen später haben wir uns einen neuen Ford Cortina gekauft (Preis 40.000.- öS)
Also großer Bahnhof - ich wieder zurück in Hernals und Inge bei den Eltern in Ottakring. Nach etlichen Versuchen habe ich dann im November 1964 bei der Österr. Post- und Telegrafenverwaltung die Laufbahn als Nachrichtentechniker begonnen. Bis zur Verlobung habe ich dann bis zum 19. Geburtstag von Inge abgewartet. Damit ich ihren Vater nicht fragen musste (das war damals so das Gesetz).
Nächster Schritt Nestbau - Antrag auf eine Genossenschaftswohnung. Mit der Verpflichtung, beim Einzug verheiratet zu sein. Gesagt, getan. Daten für Hochzeit und Einzug ??
* Warum sollte mir das 18 Jahre später zum Verhängnis werden ?
